Der letzte Puck ist gefallen. Die Entscheidungen in beiden Zweitliga-Gruppen stehen fest. Die ersten Play-Off Paarungen für den Achtelsfinal (Best-of-five) 2017/18 sind fixiert. Bündner Nusstorte statt Sankt Galler OLMA Bratwurst. Der EHC Illnau-Effretikon (EIE) trifft mit Heimspiel-Vorteil auf Club da Hockey Engiadina. Die EIE-Play-Off Heimspiele gegen die Bündner: Dienstag, 13. Februar und Samstag, 17. Februar 2018. Die Zürcher Oberländer selbst müssen zwischen diesen zwei Daten am Donnerstag, 15. Februar 2018 nach Scoul reisen. Das Zittern und Hoffen im Eselriet dauerte knappe fünf Minuten, denn das letzte Gruppenspiel des EIE war früher fertig als jenes in Kloten. 4:3 führte Bassersdorf gegen Dürnten, knappe sechs Minuten vor Schluss. Dann die wundersame Wende. 42 Sekunden vor Schluss erzielte Andy Rüegg das 4:4 und zehn Sekunden vor Ende Cyrill Stiefel gar noch den 5:4 Siegtreffer der Gäste. Dürnten verteidigte seine Leaderstellung in Extremis und verweigerte dem EHC Illnau-Effretikon – der auf insgesamt 49 Punkte aus 18 Gruppenspielen kam – erneut den Platz an der Sonne.

Bericht: Heinz Minder, Illnau

Man hat es geahnt. Diese Konstellation zeichnete sich ab. Die Zeichen zu dieser Paarung standen zwar nicht in den Sternen, doch man konnte es sich fast errechnen. Weder Zug, noch Luzern oder Bassersdorf konnten dem EHC Illnau-Effretikon in den letzten drei Runden die erhoffte und willkommene Schützenhilfe leisten. Nach dem mit 2:3 knapp verlorenen zweiten Zürcher Oberland-Derby und dem damit verbundenen Leaderwechsel in der Gruppe 1 zwischen Illnau-Effretikon und Dürnten Vikings, endeten die Gruppenspiele «nach Programm».

Der zweifache 2. Liga-Meister (2014/15 und 2015/16) Dürnten Vikings holte sich wie in den Vorjahren abermals den Gruppensieg – vor Illnau-Effretikon – und überstand seine 18 Partien über die offizielle Spielzeit ohne Niederlage. Einzig am 2. Dezember letzten Jahres, und ausgerechnet beim Liga-Neuling, bezog Dürnten mit 3:4 (0:0, 2:2, 1:1; 0:1) nach Penaltyschiessen die erste und bislang einzige Niederlage. Somit ist nun klar, dass die beiden Vertreter des Zürcher Oberlandes, wie bereits in der letzten Saison, von den ersten beiden Plätzen aus, beide mit Heimvorteil, zu ihren jeweiligen Play-Off Achtelsfinal starten können. Dürnten zog mit St. Gallen eine mehr als lösbare Aufgabe – der EIE muss, will er wie im Vorjahr in den Viertelsfinal, die Zusatzschleife über das Bündnerland ziehen.

Eigentlich sollte es die Paarung Club da Hockey Engiadina gegen Illnau-Effretikon gar nicht geben, denn die Bündner schafften Ende letzter Saison den sportlichen Ligaerhalt nicht. Zusammen mit dem SC Küsnacht, dem letzten EIE-Gruppengegner vom vergangenen Samstag und dem HC Ascona aus der Gruppe 1 und Lenzerheide-Valbella, musste Engiadina die sechs Spiele umfassende Abstiegsrunde bestreiten. Küsnacht (6 Spiele/13 Punkte), und Lenzerheide-Valbella (6/12) schafften den Ligaerhalt. Club da Hockey Engiadina wurde sportlich «nur Dritter» (6 Spiele/12 Punkte) und wäre mit dem punktelosen Ascona eigentlich abgestiegen. So, wie 2014/15.

Für Dieter Wieser kommt es zu einem Wiedersehen mit einem einstigen, bekannten Meisterschaftsgegner. 2009/10 bestritt der EIE die 2. Liga-Meisterschaft in der Gruppe 2 – wo damals noch zwölf Mannschaften, unter ihnen eben auch Club da Hockey Engiadina, an den Start gingen. Der EIE schlug damals Engiadina beide Male. Erst 8:5 (2:0, 6:0, 0:5) im Vorrundenspiel am 24. Oktober 2009 im Eselriet und dann in der Rückrunde im Bündnerland am 9. Januar 2010 mit 7:5 (3:1, 2:3, 2:1). Illnau-Effretikon holte sich den zweiten Schlussrang hinter Chur Capricorns und vor Club da Hockey Engiadina. Im Play-Off (damals nur ab Viertelsfinal) kam es dann für den EIE zu den fünf legendären Partien gegen Seewen (3:2 Sieg), während Engiadina mit 1:3 Spielen an Bellinzona scheiterte. Im Halbfinal schied der EIE dann gegen Chiasso mit 0:3 Spielen aus.

2010/11: Illnau-Effretikon ging wiederum in der Gruppe 2 an den Start. Somit kam es wieder zu den Duellen mit Engiadina. Vermochte der EIE in jenem Winter das erste Spiel im Eselriet (13. November 2010) noch mit 9:2 (1:0, 4:2, 4:0) klar für sich zu entscheiden, kassierte die Truppe von Dieter Wieser Ende seiner zweiten EIE-Ära am 12. Februar 2011 in der Gurlaina in Scoul eine 1:4 (0:1, 1:2, 0:1) Niederlage. Club de Hockey Engiadina beendete die Saison 2010/11 auf dem zweiten Schlussrang hinter Chur und diesmal unmittelbar vor Illnau-Effretikon. Es war der Winter mit den legendären Playoff-Spielen. Club da Hockey Engiadina schied im Viertelsfinal gegen Luzern in 1:3 Spielen aus, derweil der EIE seinen Lieblingsgegner Schaffhausen mit 3:1 Partien eliminierte. Dann das erste Play-Off-Halbfinalspiel in Chur. Es endete mit einem 0:17 Debakel für Illnau-Effretikon. Nach dem Startdrittel, mit 0:4 Rückstand des EIE, gab es im Mitteldrittel nicht weniger als zwölf Treffer für die Churer. Dieter Wieser wechselte seine beiden Torhüter Christian Frutiger und Dennis Volkart laufend.

2011/12: Mit dem neuen Trainer Michel Zimmermann traf der EHC Illnau-Effretikon wieder in der Gruppe 2 auf Engiadina, verlor in Scoul mit 3:4, abermals blieb dann in der Rückrunde, inzwischen mit dem neuen Interims-Trainer Christian Sigrist (löste Zimmermann im Januar ab), mit 6:1 erfolgreich. Den Bündnern gelang wieder eine Spitzenrangierung. Wieder zweiter Schlussrang, mit knapp zwei Punkten Rückstand auf Weinfelden. Der EIE schloss die Saison auf dem sechsten Schlussrang.

2012/13: Der EHC Illnau-Effretikon ging mit Stefan Kellenberger als neuer Trainer an den Start. Die Zürcher Oberländer verloren beide Spiele gegen Engiadina. Erst mit 1:4 (0:2, 0:1, 1:1) am 13. Oktober 2012 und mit 2:6 im Heimspiel vom 12. Dezember 2012 im Eselriet. Engiadina beschloss die Saison auf dem vierten Schlussrang – der EIE landete auf dem enttäuschenden achten Platz.

2013/14: Der EIE ging mit dem alten/neuen Trainer Dieter Wieser an den Start und vollzog einen Gruppenwechsel. Fortan trennten sich die Wege dieser beiden Vereine. Club da Hockey Engiadina holte sich in jenem Winter in der Gruppe 2 in 22 Spielen 37 Punkte und beendete die Saison hinter Gruppensieger Wallisellen (22/54), Prättigau-Herrschaft (52) und den punktegleichen Uzwil und St. Moritz (47 Zähler) auf dem fünften Schlussrang.

2014/15: Engiadina rutschte in den Gruppenspielen weiter ab und holte sich nur noch 13 Punkte. Das war in der Gruppe 2 zu wenig. Zusammen mit Schlusslicht Rapperswil-Jona Lakers mussten die Bündner mit dem KSC Küssnacht am Rigi (Vertreter der Gruppe 1) in die Abstiegsspiele, wo sich dann Rapperswil den Ligaerhalt (4 Spiele/10 Punkte) sicherte. Zusammen mit Küssnacht am Rigi stieg Club da Hockey Engiadina Ende Saison 2014/15 in die Drittliga-ab.

Die Bündner setzten auf Vorwärtsstrategie und sofortigen Wiederaufstieg. Sie verpflichteten mit Oldrich Jindra einen Profitrainer. Der 37jährige betreute fünf Jahre lang den SC Rheintal (2006/07 bis 2010/11), übernahm dann für ein Jahr den Assistenz-Trainerposten beim Erstligist SC Herisau vor seinem vierjährigen Engagement beim EHC Schaffhausen (2012/13 bis 2014/15. Seit 2015/16 trainiert der Tscheche nun Engiadina.

2015/16: Engiadina schafft souverän und ohne Saisonniederlage den sofortigen Wiederaufstieg. Die Bündner deklassieren die Gruppe 2, holen aus 16 Spielen 48 Punkte und verweisen Zernez (16/37) klar auf den zweiten Schlussrang. Im einzigen Aufstiegsspiel gegen Ascona setzte sich Club da Hockey Engiadina mit 6:4 durch und schafft den angestrebten Wiederaufstieg.

2016/17: Club da Hockey holt sich als Neuling aus 18 Spielen elf Punkte und beschliesst die Gruppenspiele auf dem neunten und vorletzten Gruppenplatz, direkt vor Schlusslicht Lenzerheide-Valbella (18 Spiele/10 Punkte). Engiadina muss wieder in die Abstiegsrunde trifft dort auf den SC Küsnacht und Ascona, die beiden Vertreter der Gruppe 1. Küsnacht (6 Spiele/13 Punkte) und Lenzerheide-Valbella (6/12) schaffen den Ligaerhalt – Engiadina (6/11) und das punktelose Ascona eigentlich nicht. In der JEKAMI Meisterschaft der Regioleague im swiss ice-hockey, wo es alljährlich Ende einer Saison zum obligatorischen Wunschkonzert kommt – wer steigt auf, wer verzichtet – wer will noch mal, wer hat noch nicht – bleibt Club da Hockey Engiadina trotz sportlichem Abstieg in der Zweitliga.


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